Den schnellen Weg zum Vermögensaufbau gibt es nicht.
Ein Fall aus Bonn: Erika und Hans-Jürgen H. aus Bonn folgten einem Werbeclip auf Social Media in eine exklusive WhatsApp-Gruppe angeblicher Finanzexperten. Und sie berichten im Nachhinein:
„Wir haben einen Betrag von insgesamt 170.000 Euro investiert und das Geld schlussendlich verloren, weil wir auf Betrüger im Netz hereingefallen sind. Angefangen hat es mit einer Werbeanzeige eines Trading-Instituts in den Sozialen Medien. Gereizt hat uns das Versprechen, auch ohne bisherige Investmenterfahrung von erfahrenen Finanzberatern kostenlos angeleitet, unser kleines Vermögen in relativ kurzer Zeit wenigstens verdoppeln zu können.“
Der Fall geht so weiter
„Bei Anlageinteresse solle man über einen Messengerdienst in Kontakt zu den Erstellern der Werbeanzeigen treten und werde dann in eine exklusive Chat-Gruppe eingeladen Das haben wir gemacht. Da vermeintlich auch diverse Prominente und bekannte Börsenprofis die Tipps und Anlagestrategien des Anbieters bewarben, sah das alles sehr professionell und seriös für uns aus“, erzählt das Bonner Paar. „Über die Gruppe erhielten wir zunächst über Wochen kleine Schulungen zum Aktienhandel und Onlinetrading und fortlaufend Investmenttipps, deren Wahrheitsgehalt wir letztlich nicht überprüfen konnten. Das war wohl eine vertrauensbildende Maßnahme, die bei uns gewirkt hat.
Täglich wurden Marktanalysen renommierter und bekannter Finanzberater bzw. Wirtschaftsexperten gepostet sowie Anregungen, ob eine Investition in Kryptowährung sinnvoll sei, in welche Aktien und Fonds man aktuell investieren solle oder welche weiteren Anlagemöglichkeiten derzeit lukrativ seien. Es wurde auch mit bekannten, lizensierten Instituten geworben.
Wir erhielten Informationen zu Online-Handelsbörsen, Handelsprogrammen bzw. einer App, um später nach Anmeldung investieren zu können.
Sogar angebliche Gewinnpläne hat man uns zur Verfügung gestellt. Wir fühlten uns an die Hand genommen.
Über andere, tatsächlich seriöse Quellen die Messenger-Gruppe bzw. den Anbieter zu hinterfragen, haben wir letztendlich versäumt, wir hätten auch gar nicht gewusst, wie wir das wirklich machen sollen. Wir haben auch nicht hinterfragt, ob diese bekannten Finanzberater/Investmentbanker, mit denen geworben wurde, tatsächlich die Analysen für den Anbieter abgaben.
Es war alles ein großer Schwindel
Erst viel später, als nach Auszahlungen zunächst kleiner Gewinnteilbeträge keine der avisierten, größeren Guthabenauszahlungen erfolgten, haben wir von der Polizei erfahren, dass das alles ein großer Schwindel war. Dass die Initiatoren der WhatsApp-Gruppe Betrüger waren, dass Name und Bilder der Analysten und des Trading-Instituts missbräuchlich verwendet wurden und keine(r) der vermeintlichen Tipps und Analysen wirklich von diesen stammten. Für uns kam das zu spät. Wir hatten unser Geld ja längst zur vermeintlichen Anlage angewiesen. Heute wissen wir, dass in diesem Bereich Milliardenschäden entstehen.“
Die Opfer haben recht. Die Täter bedienen sich täuschend echt wirkender Apps, KI-generierter Avatare, die als bekannte Personen aus der Finanzwelt den Anleger vermeintlich persönlich einladen, sie simulieren Kontostände, angebliche Investments (z.B. Käufe von Aktien, Fonds, Krypto, etc.), gaukeln steigende Kurse und korrespondierende Gewinne vor.
Daher auch die Warnung der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) und der Polizeien der Länder und des Bundes: Seien Sie generell, bei Geldanlagen im Internet äußerst vorsichtig und recherchieren Sie vorab gründlich, um Betrugsversuche rechtzeitig zu erkennen. Kein seriöser Anbieter gibt Börsentipps über Messenger:
https://www.bafin.de/DE/Verbraucher/Finanzbetrug/Anlagebetrug/anlagebetrug_node.html
https://www.polizei-beratung.de/aktuelles/detailansicht/trading-scam/
https://bonn.polizei.nrw/artikel/anlagebetrug-ein-andauerndes-phaenomen-mit-hohen-schadenssummen
https://polizei.brandenburg.de/seite/anlagebetrug-im-internet-cybertrading-fr/4319152
Hören Sie sich den Podcast Folge 7 (# 7 Vorsicht, Betrug!) an unter
https://www.bafin.de/DE/Verbraucher/Mediathek/Podcast/podcast_node.html
Machen Sie sich auch schlauer über Informationen, die die Verbraucherzentrale herausgibt:
Kriminalpräventive Verhaltenstipps:
- Ungewöhnlich hohe Gewinne mit wenig Einsatz sollten immer misstrauisch machen.
- Ebenso, wenn die Investitionen in Kryptowährungen getätigt werden sollen.
- Seriöse Banken und Sparkassen gehen nicht direkt auf Kundinnen und Kunden zu, um sie zum Online-Trading zu bringen.
- Informieren Sie sich über die Trading-Plattformen, bevor Sie sich anmelden oder Geld überweisen. – Nutzen Sie dafür z. B. die Unternehmensdatenbank der BaFin. Hier gibt es auch einen Podcast zu
- Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Fragen Sie notfalls bei der offiziellen Plattform nach, wer der Händler ist.
- Geben Sie keine sensiblen Daten preis, wie Zugangsdaten zum Online-Banking oder zum Depot, Ausweisfotos oder Ihre Anschrift.
- Die vermeintlichen Investitionsberater fordern ggf. einen Fernzugriff auf Ihr Gerät (Remotezugriff). Sie behaupten, dass sie z. B. AnyDesk oder TeamViewer für das Trading benötigen. In Wirklichkeit verschaffen sie sich Zugriff auf ihre Daten und Passwörter und installieren ggf. eine Schadsoftware.
- Überweisen Sie kein Geld auf unbekannte Konten.
- Nach einem Anlagebetrug bieten Ihnen ggf. unseriöse Dienstleister unaufgefordert ihre Hilfe an (sog. „Recovery Scam) und versprechen, Ihr Geld gegen eine Gebühr zurückzuholen. In vielen Fällen sind dies die gleichen Betrüger, die Sie zuvor schon geschädigt haben.
- Befürchten Sie, Opfer geworden zu sein? – Erstatten Sie Anzeige bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle! Scheuen Sie nicht den Anruf unter der Notrufnummer 110.
- Eine Anzeige können Sie auch online erstatten, unter: https//interwache.polizei.nrw/
Für eine kriminalpräventive Beratung durch die Seniorenberatung der Polizei Bonn wenden Sie sich gerne an:
Polizeipräsidium Bonn – Direktion K – KK KP/O Seniorenberatung
Königswinterer Straße 500, 53227 Bonn
Telefon 0228-15-7666 (Seniorentelefon) oder -7676 (Geschäftszimmer)
Marita Wichterich,
Dipl. Jur./ Kriminalhauptkommissarin a.D.
Initiative „Hand in Hand – Senioren für Senioren“ i.Z.m. der Polizei Bonn